Gründen & Nachfolge unter einem Dach: Sparkasse eröffnet Gründerzentrum für Mainfranken

Interview Jochen Schönleber Sparkasse Mainfranken Würzburg

Im September 2024 plant, die Sparkasse Mainfranken Würzburg ein Gründungszentrum in zentraler Innenstadtlage mit Blick auf den Dom zu eröffnen. Das Vorhaben ist laut Jochen Schönleber, Vorstandsmitglied, „in der Bankenlandschaft außergewöhnlich“.

Im Interview gibt er Einblicke in das geplante Angebot, erläutert, was es von den drei anderen Würzburger Gründerzentren unterscheidet, und betont die Bedeutung des Themas Unternehmensnachfolge gerade im Gründungskontext.

Herr Schönleber, die Sparkasse Mainfranken Würzburg will noch in diesem Jahr ein Gründungszentrum eröffnen. Gleich zum Start die Frage: Wollten Sie selbst schon einmal gründen?

Ende der 80er-Jahre hatte ich mit zwei Schulfreunden die Idee für ein Recycling-Unternehmen. Damit wären wir rückblickend betrachtet ganz vorne dabei gewesen.

Und aktuell?

Eine schöne Weinstube in einer tollen Location, da hätte ich Lust drauf. Das wäre aber dann eher ein Hobby, eine Leidenschaft und keine Existenzgründung. Aber das Gründungszentrum ist ja letztlich ein Inhouse-Start-up.

Gutes Stichwort. Als Start-up muss man sich fragen: Wie unterscheide ich mich von den bestehenden Angeboten. In Würzburg gibt es bereits drei Gründerzentren, warum ein viertes?

Ja, es gibt schon drei. Diese können aber aufgrund von Förderrichtlinien nicht alle Gründungsvorhaben unterstützen, sondern müssen sich auf technische und digitale Innovationen beschränken. Das ist wichtig, und das machen sie sehr gut. Die Sparkasse Mainfranken Würzburg unterstützt die drei Gründerzentren auch finanziell seit vielen Jahren, weil wir von dem Konzept überzeugt sind.

Für unser Gründungszentrum haben wir diese Vorgaben nicht und können daher auch Vorhaben aus vermeintlich wenig innovativen Bereichen unterstützen, etwa aus dem Dienstleistungssektor. Nehmen Sie Beratungsunternehmen, Agenturen oder einen Pflegedienst. Nicht zu vergessen Handwerksbetriebe.

Wichtig: Es ist ein Gründungszentrum für Mainfranken. Wir wollen Gründer aus unserem gesamten Geschäftsgebiet ansprechen: von der Landesgrenze im Westen über Lohr, Würzburg bis nach Geiselwind.

Wie sieht Ihr Angebot konkret aus?

Es soll ein Treffpunkt für alle innovativen Köpfe und/oder mittelständische Unternehmer sein. Neben Büroräumen können die insgesamt 400 Quadratmeter für Meetings, Workshops und Veranstaltungen genutzt werden, etwa für Pitch-Events.

Wir können auch mit unserem großen Netzwerk punkten. Die Sparkasse Mainfranken Würzburg hat eine Geschäftsverbindungsquote von rund 80 Prozent. Das heißt, 80 Prozent aller Unternehmen haben ein Geschäftskonto bei uns. Durch diese starke Verbindung zur Wirtschaft können wir effektive Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten bieten und natürlich auch Zugang zu Business Angels oder Venture Capital.

Insgesamt wollen wir uns als Gründungszentrum breit aufstellen und ein Marktplatz sein, der Menschen und Unternehmen zusammenbringt.

Was meinen Sie mit „breit aufstellen“?

Wir möchten nicht wie eine „klassische“ Bank agieren. Neben Beratung und Kreditvergabe wollen wir zukünftig auch in Richtung Beteiligungskapital gehen. Wir denken zudem darüber nach, uns an Start-ups direkt zu beteiligen.

Darüber hinaus wird sich in unserem Gründungszentrum eine Person ausschließlich um das Thema Unternehmensnachfolge kümmern.

In einer Zeit, in der Innovation und Start-up-Kultur hoch im Kurs stehen, warum setzen Sie auch auf Unternehmensnachfolge, anstatt ausschließlich Neugründungen zu fördern?

Es ist ein drängendes gesellschaftliches Problem. Viele Betriebe stehen bald ohne Nachfolge da. Das gefährdet nicht nur die Existenz der Unternehmen, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze und damit unseren gesamten Wohlstand.

Wir möchten eine Plattform bieten, die abgebende Unternehmer mit motivierten Nachfolgern zusammenbringt – analog in unseren Räumen und digital, ggf. als App.

Ein Tinder für Unternehmensnachfolge?

Ja, so einfach sollte es im ersten Schritt funktionieren, damit die passenden Menschen zusammenfinden.

Generell möchten wir auch alle erreichen, die sagen: Start-up gründen ist nichts für mich, zu viel Risiko. Bei einer Unternehmensnachfolge dagegen fange ich nicht auf der grünen Wiese an, sondern kann meine Ideen in einem bestehenden Betrieb einbringen.

Also jemand wie Sie, der fest im Berufsleben steht, aber keine konkrete Idee für ein Start-up hat, wie Sie eingangs meinten?

Lacht. Ja, genau.

Wie können Sie da mit dem Gründungszentrum unterstützen?

Ich sehe uns in der Rolle des Vermittlers, aber nicht nur. Es soll darüber hinaus gezielte Unterstützung in Form von Führungskräftetrainings und Seminaren geben. Dafür können wir auch die Ressourcen nutzen, die wir in der Sparkasse haben, etwa im Personalbereich.

Machen wir noch einen Schwenk zur Planung des Gründungszentrums. Das war ein Team von Mitarbeitenden der Sparkasse, oder?

Ja, und das war die richtige Entscheidung. Ich bin überzeugt, mit Externen hätten wir das in dem Tempo niemals so hinbekommen.

Wie lief das ab?

Seit November 2023 gab es fünf Sprints à sechs Tage, verteilt über zwei Wochen in Vollzeit. Dadurch waren die sechs Kollegen komplett aus dem Tagesgeschäft raus und hatten den Kopf frei. Es sind unglaublich viele kreative Ideen entstanden, wie etwa die „Tinder“-App.

Wie ist eigentlich die Reaktion auf das Gründungszentrum?

Unser Projekt hat eine unglaubliche Strahlkraft nach außen und vor allem auch nach innen. Auf unsere Frage: „Wie soll das Gründungszentrum heißen?“, kamen über 200 Vorschläge von den Kollegen. Das finde ich schön.

Die Sparkasse hat für Außenstehende ja oft das Image: kurz nach dem Finanzamt viel innovativer aber nicht. Aufgrund von Regulatorik sind uns bei vielen Dingen die Hände gebunden. Hier nicht.

Überhaupt ist das, was wir mit dem Gründungszentrum vorhaben, in der Bankenlandschaft außergewöhnlich. Gründungsberatung bieten viele, aber ein eigenes Ökosystem fürs Gründen ist was Besonderes.

Gibt es das in anderen Städten nicht?

Nicht so, wie wir es planen; wenn liegt der Fokus ausschließlich auf Start-ups. Wir wollen es, wie bereits erwähnt, breiter aufstellen. Ich kenne auch keine Genossenschaftsbanken und andere Institute, die das so machen.

Wann planen Sie die Eröffnung?

Die Eröffnung ist für September 2024 geplant.

Vorher sind wir am 15. Mai Gastgeber für die Verleihung des Würzburger Startup Preises. Die Veranstaltung findet allerdings noch nicht unter Einbindung der neuen Räume statt, sondern im Erdgeschoss mit einer hoffentlich tollen Party im Anschluss. Wir freuen uns schon sehr darauf!

Herr Schönleber, vielen Dank für die Einblicke.

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